LESELEITFADEN · FIGUREN
Die Figuren von Martín Fierro
Ein flüchtiger Gaucho, ein treuer Freund, zwei Söhne, die ihre Verluste zu verstehen suchen, ein skrupelloser Vormund und Stimmen, die an den Rand gedrängt sind. Lernen Sie die Gestalten kennen, die dem Gedicht seine moralische Vielschichtigkeit geben.

Der Sänger, Held und Erzähler
Martín Fierro
Ein Gaucho, dessen Familienleben nach dem Zwangsdienst an der Grenze zerbricht. Sein Gesang handelt von Unrecht, Gewalt, Flucht, Freundschaft und Wiedersehen.
Kritische Lektüre: Fierro ist nicht José Hernández, der ungefiltert spricht. Seine Klagen haben Gewicht, doch auch seine Versuche, Gewalt zu rechtfertigen, müssen geprüft werden.
In den Studienblättern: Erster Teil · Gesang 1Erster Teil · Gesang 3Zweiter Teil · Gesang 1Zweiter Teil · Gesang 32

Der Sergeant, der die Freundschaft wählt
Sergeant Cruz
Er gehört zur Streife, die Fierro festnehmen soll, wechselt die Seite und kämpft an seiner Seite. Die Solidarität der beiden Männer ist eine der zentralen Beziehungen des Gedichts.
Kritische Lektüre: Cruz’ Entscheidung stellt eine Frage der Treue: Was tun, wenn der erhaltene Befehl dem eigenen Gerechtigkeitssinn widerspricht?
In den Studienblättern: Erster Teil · Gesang 9Erster Teil · Gesang 10Erster Teil · Gesang 12Zweiter Teil · Gesang 6Zweiter Teil · Gesang 7

Die Ehefrau und das verlorene Zuhause
Fierros Frau
Zentrale Gestalt des Familienlebens, das Fierro mit der Rekrutierung verliert. Die Nachricht von ihrem Tod erreicht ihn später aus dem Mund seiner Söhne.
Kritische Lektüre: Das Gedicht gibt ihr weder eine eigene Stimme noch einen festen Namen, eine Leerstelle, die Aufmerksamkeit verdient.
In den Studienblättern: Erster Teil · Gesang 2Erster Teil · Gesang 3Erster Teil · Gesang 6Zweiter Teil · Gesang 11

Der Sohn, der das Gefängnis kennengelernt hat
Der ältere Sohn
Einer der beiden Söhne, die im zweiten Teil ihren Vater wiederfinden. Sein Bericht erweitert die Geschichte der Familie: Verlassenheit, ungerechte Anklage, Zuchthaus.
Kritische Lektüre: Seine Erfahrung und seine Stimme dürfen nicht mit denen seines Bruders verwechselt werden.
In den Studienblättern: Zweiter Teil · Gesang 11Zweiter Teil · Gesang 12Zweiter Teil · Gesang 13

Der Sohn, den Vizcacha großzog
Der jüngere Sohn
Zu seiner Geschichte gehören das verlorene Erbe und das Leben unter der Vormundschaft des alten Vizcacha, dessen zynische Ratschläge bittere Komik und Leid verbinden.
Kritische Lektüre: Der Gegensatz zwischen Vizcachas Maximen und Fierros letzten Ratschlägen ist entscheidend.
In den Studienblättern: Zweiter Teil · Gesang 11Zweiter Teil · Gesang 14Zweiter Teil · Gesang 15Zweiter Teil · Gesang 19

Der Vormund und satirische Ratgeber
Der alte Vizcacha
Ein armer, schlauer Alter, der zum Vormund von Fierros jüngerem Sohn bestellt wird. Seine grotesken Marotten und eigennützigen Maximen gehören zu den berühmtesten Episoden des zweiten Teils.
Kritische Lektüre: Vizcachas Sprichwörter dürfen nicht automatisch für die Moral des Gedichts gehalten werden.
In den Studienblättern: Zweiter Teil · Gesang 14Zweiter Teil · Gesang 15Zweiter Teil · Gesang 16Zweiter Teil · Gesang 17

Der Sohn von Cruz, ein Erzähler
Picardía
Ein junger Mann, der von seiner Kindheit als Waise, vom Spiel, vom Machtmissbrauch und vom Grenzdienst erzählt, bis er entdeckt, dass er der Sohn von Sergeant Cruz ist.
Kritische Lektüre: Sein Name deutet auf List, doch seine Geschichte zeigt immer wieder den Preis des Überlebens.
In den Studienblättern: Zweiter Teil · Gesang 20Zweiter Teil · Gesang 21Zweiter Teil · Gesang 22Zweiter Teil · Gesang 27Zweiter Teil · Gesang 28

Die bei einem malón verschleppte Frau
Die Gefangene
Ihr Leid in der Gefangenschaft und Fierros Eingreifen werden im zweiten Teil aus seiner Sicht erzählt.
Kritische Lektüre: Sie hat keinen Namen; die Stelle verlangt eine kritische Lektüre zu Geschlecht und zur Darstellung der Indigenen in jener Zeit.
In den Studienblättern: Zweiter Teil · Gesang 7Zweiter Teil · Gesang 8Zweiter Teil · Gesang 9Zweiter Teil · Gesang 10

Der schwarze Sänger der payada
Der Moreno
Ein afrostämmiger Sänger fordert Fierro zu einem dichterischen Wettstreit aus Fragen und Antworten heraus und weckt die Erinnerung an einen alten Tod.
Kritische Lektüre: Er ist nicht der Mann, den Fierro im ersten Teil tötete, sondern dessen Bruder; und eine einzelne literarische Stimme vertritt nicht eine ganze Bevölkerung.
In den Studienblättern: Zweiter Teil · Gesang 29Zweiter Teil · Gesang 30

Das Opfer von Gesang VII
Der beim Tanzfest getötete Mann
Ein schwarzer Mann stirbt in einer Rauferei mit Fierro. Der Bericht des Erzählers enthält rassistische Beleidigungen, Provokation und Gewalt.
Kritische Lektüre: Die Version des Erzählers ist kein Freispruch, und dieses Opfer darf nicht mit dem Sänger der payada verwechselt werden.
In den Studienblättern: Erster Teil · Gesang 7Zweiter Teil · Gesang 11Zweiter Teil · Gesang 29

Die örtliche Obrigkeit
Der Friedensrichter
Gestalt der lokalen Macht im Bericht von Rekrutierung und Verfolgung. Das Amt verweist auf reale Institutionen, die Figur aber ist erfunden.
Kritische Lektüre: Nichts erlaubt es, dem Richter des Gedichts eine bestimmte historische Identität zuzuschreiben.
In den Studienblättern: Erster Teil · Gesang 3Erster Teil · Gesang 6Zweiter Teil · Gesang 11
Wie man diesen Leitfaden nutzt
Diese Karten erklären die Rolle von elf Figuren und verweisen auf die Studienblätter zu den einzelnen Gesängen, wo die Originalstrophen stehen. Es sind deutende Zusammenfassungen, keine Zitate und keine Übersetzungen der Verse von Hernández. Die Illustrationen sind moderne Rekonstruktionen, keine historischen Dokumente.